soundcheck L.E.: Das erste Album der Leipziger Epic-Metaler RORC ist gleich ein ganz großer Wurf

November 9, 2012 in Presse

Es ist eine Situation, wie sie der eine oder andere Rezipient dieser Zeilen selbst schon erlebt haben mag: Man inhaliert des Abends diverse Getränke, die Augen sind langst trübe‚ der Geist aufgeweicht – und in diesem Moment scheint nichts näher zu liegen, als eine Band zu gründen. Während die meisten potenziellen Rockstars am nächsten Morgen schweren Kopfes den Schwanz einziehen, haben RORC allerdings an ihrer promillegeschwängerten Idee festgehalten. „Wir haben Reincarnation of Rotten Christ gegründet, ohne jemals ein Instrument gepsielt zu haben. Wir wollten einfach nur Black Metal machen“, gibt Gitarrist Tilman „Kjetter“ Scheinpflug lachend den Gründungsmythos seiner verhinderten Blaukreuzler preis.

Was dem einen oder anderen an dieser Stelle vielleicht Hoffnung gibt: Aus der Schnapsidee jener Nacht im Jahr 2007 – bei der eine Flasche Doppelkorn als Geburtshelfer fingierte – ist fünf Jahre später tatsächlich eine zwölfhändige Band erwachsen. Und das Beste ist: Die sechs Anfang-20er, mittlerweile allesamt Studenten, beherrschen auch noch Instrumente. Mit „The Church Of RORCology“ liegt nun ein von Szene-Schwergewicht Andy Schmidt im Kick The Flame Studio (heute: Echolux) in Leipzig produziertes Debüt vor, das den Etablierten wie ein voluminöser Einlauf vorkommen muss. Denn RORC vereinen Etliches, was den gemeinen Pommesgabler erfreut, die Halswirbel eine satte Polka tanzen lässt – und in dieser Qualität kaum zu erwarten gewesen ist.

Vom eigentlichen Black-Metal-Plan hat sich das düstere Sextett dabei längst verabschiedet. Stattdessen kreieren RORC einen Epic Metal, der zwischen skandinavischen Death-Einschiägen à Ia Amon Amarth oder Enslaved und Thüringer Veganer-Charme der Marke HSB oszilliert – ohne allerdings abzukupfern. Das alles ist sehr melodiebetont, wird nahezu verschwenderisch von Keyboards getragen – und findet seinen Kontra-Part in den gutturalen Lauten von Sänger Arvid Loki. Bereits der Opener „Throes Of A Leadership Crisis“ weist den Weg: Gut arrangierte Riffs treffen auf einen wallenden Soundteppich. In „Astraia“ bekommen RORC dann Unterstützung von Gastsängerin Sissy, die mit ihrer tiefen Stimme der Band eine weitere düstere Facette gibt. So geht atmosphärischer Metal der todesbleiernen Liga – ein sensationell gutes Debüt, das Appetit auf noch viel mehr macht.

Andreas Debski für soundcheck L.E.

With Full Force ist Geschichte – Andreas Debski und die Leipziger Metalband RORC blicken zurück

Juli 2, 2012 in Presse

Die Ausrüstung generiert sich aus reichlich Festivalerfahrung und erlesenem Musikgeschmack sowie Dutzenden Steaks, die zu jeder Mahlzeit gereicht werden, einigen Paletten Dosenbier und einem Partyzelt. Mehr braucht ein Mensch nicht, um glücklich zu sein.

… von Andreas Debski

Leipzig/Roitzschjora. Die 19. Auflage des With Full Force ist Geschichte. Schlagzeilen machte das größte ostdeutsche Festival vor allem durch einen Blitzeinschlag, bei dem 51 Besucher verletzt wurden. Inzwischen steht fest: 40 von ihnen konnten das Krankenhaus bereits wieder verlassen, ein 35-Jähriger muss noch auf der Intensivstation betreut werden. Andreas Debski lässt die drei Tage und Nächte von Roitzschjora Revue passieren, begleitet von der jungen Leipziger Metalband RORC.

Der erste Juli-Montag ist der schwerste Tag eines jeden Jahres: Das With Full Force (WFF) zieht die Stecker – von nun ab läuft die Uhr rückwärts. Ein Countdown, der jeden Besucher, einmal mit dem WFF-Virus infiziert, verbindet. „Nach dem Force ist immer vor dem Force, man freut sich die nächsten zwölf Monate drauf“, sagt Tilman Scheinpflug, und seine Miene lässt ahnen, wie tief diese Freude im Innersten verankert ist. Der 21-jährige Student schlägt bei der Leipziger Epic-Metalband RORC die Saiten der Rhythmusgitarre an; das diesjährige WFF ist für ihn bereits das fünfte – Tilman und seine Freunde sind quasi Stammgäste. Die Ausrüstung generiert sich aus reichlich Festivalerfahrung und erlesenem Musikgeschmack sowie Dutzenden Steaks, die zu jeder Mahlzeit gereicht werden, einigen Paletten Dosenbier und einem Partyzelt. Mehr braucht ein Mensch nicht, um glücklich zu sein. Zumindest für drei Tage Roitzschjora.

Das With Full Force beansprucht für sich, das vielfältigste Festival im härteren Musikbereich zu sein. Die Mischung reicht von Punk und Folkrock über Metal- und Hardcore bis hin zu extremen Varianten aus den Death- und Black-Bereichen. Namen wie Elsterglanz, Flogging Molly, Suicide Silence, Machine Head, Kill Devil Hill, Trivium, Endstille und Soulfly stehen für eben diese Breite unter den insgesamt 63 Bands. „Das kann in dieser Größenordnung niemand anderes in Deutschland bieten“, ist sich Roland „Bogo“ Ritter, einer der drei WFF-Geschäftsführer sicher. Szenegrößen gastieren inzwischen in steter Regelmäßigkeit in dem Dorf am Rand der Dübener Heide, das in den 362 Resttagen des Jahres allenfalls 300 Einwohner zählt.

Foto: Susanne Richter

Was wahrscheinlich ebenso kaum ein anderes Festival in petto hat, sind die alljährlichen Wetterextreme. Nach der Hitzeschlacht anno 2010 und den in die Metal-Geschichtsbücher eingegangenen Schlammspielen des vergangenen Jahres – um nur zwei Beispiele aufzuführen – spielt der Donnergott Thor, der bei jedem Langhaar äußerst beliebt ist, schon zum freitäglichen Auftakt mit dicken Quellwolken und brennend heißer Sonne. Es braut sich etwas zusammen über dem nordsächsischen Segelflugplatz, auf dessen 80 Hektar knapp 30 000 Festivalgäste campieren. Was, das ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Bei subtropischen Wetterwerten werden die Stromgitarren eingestöpselt; die ersten Helden heißen Devildriver, August Burns Red und We Butter The Bread With Butter. Die Eruption erfolgt, als sich die Dunkelheit über das Gelände legt: Machine Head. Betrachtet man Metal als eine Art Religion, so ist Rob Flynn, Mastermind von Machine Head, ihr Prediger. Sein Auftritt ist zweifellos der Höhepunkt des an großen Namen gewiss nicht armen With Full Force.

Doch für die Leipziger Band RORC geht es um noch viel mehr: „Es ist schon toll, wenn man seine Helden auf der Bühne sehen kann“, schwärmt Sänger Max, ein Student auf Lehramt, der sich bestens darauf versteht, gutturale Töne lautmalen zu können. Irgendwann, so hofft das Leipziger Sextett, wird vielleicht auch einmal ihnen die Chance gegeben, dort oben, auf diesen Ruhm verheißenden Planken, zu stehen. Gerade auf dem With Full Force, gerade als lokale Band. „Wir wissen, dass dazu sehr viel Glück gehört. Man muss zur richtigen Zeit die richtige Musik machen und die richtigen Leute kennen“, sagt Max und fügt brummend hinzu, als würde er sich entschuldigen wollen: „Das ist unser Traum.“ Immerhin: Schon seit ihren pubertären Teenagertagen missionieren die sechs Leipziger die Welt mit ihrer Auffassung von epischem Metal. Der vorläufige Lohn sind Auftritte in ganz Mitteldeutschland, auch bei kleineren Metalfestivals.

Die Anfänge von RORC datieren auf das Jahr 2006. Als Schulfreunde entschlossen sie sich, eine Black-Metal-Band namens „Reincarnation Of Rotten Christ“ zu gründen – ohne jemals eine Gitarre oder einen Bass in der Hand gehalten zu haben. Die einen mögen es naiv nennen, die anderen selbstbewusst. „Es war ein Selbstläufer: Innerhalb einer Nacht waren die Aufnahmen im Sack und auf die kurzerhand erstellte Myspace-Seite hochgeladen“, erinnert sich Tilman, der Gitarrist, an die Anfänge seiner Band, die inzwischen viele Schritte weiter gegangen ist. In der nächsten Woche erscheint das erste Album von RORC, produziert bei Andy Schmidt im Kick The Flame Studio in Leipzig, „bei unserem Wunschproduzenten“. Denn inzwischen beherrschen die Sechs ihre Instrumente.Doch der Traum trägt weiter. Einen Traum, den Bands wie We Butter The Bread With Butter oder auch Heaven Shall Burn seit einigen Jahren leben dürfen. Die einen sind der frühabendliche Mosh-Hit des freitäglichen Hardbowls, die anderen der Headliner des Sonnabends. „Wenn man sich vorstellt, dass wir vor ein paar Jahren noch selbst unten, in den ersten Reihen, mitgesprungen sind, ist unsere Entwicklung schon Wahnsinn“, Maik Weichert, Gitarrist von Heaven Shall Burn aus Thüringen: „Irgendwann ist es immer mehr geworden und immer größer. Dann ist es das Wichtigste, dass man auf dem Boden bleibt. Wir gehen alle einem geregelten Job nach, arbeiten oder studieren.“

Heaven Shall Burn („Der Himmel soll brennen“) sind es auch, die bei ihrem Quasi-Heimspiel einem Wolkenbruch trotzen, von dem man sich noch in einigen Jahren erzählen wird. Doch die Sicherheitstechniker haben keine Bedenken ob des strömenden Wassers und der angeschlossenen Elektronik. In der Nacht zu Sonntag wird allerdings ein gewaltiges Gewitter über Roitzschjora hängen, auf dem Campingplatz ein Blitz bei einer Cocktailbar einschlagen und 51 Besucher verletzen. „Es ist ein Wunder, dass alle überlebt haben“, sagt Tilman am Tag danach, „zehn Minuten vor dem Blitzeinschlag sind wir selbst noch an der Bar gewesen, wir haben die ganze Zeit um die Ecke gezeltet.“ Er selbst versorgt ein verletztes Mädchen. Kein Mensch denkt in diesen Stunden an Musik. Doch als die Sonne wieder im Zenit steht, füllen sich die Plätze vor den beiden Bühnen. Und später grüßt ein verdächtig gut aufgelegter Max Cavalera mit Soulfly zum Abschied.

Am Sonntagabend sitzen Tilman und seine Freunde im Auto, zurück nach Leipzig. Der dritte und letzte WFF-Tag liegt hinter ihnen. „Es war wieder der Höhepunkt des Jahres. Wir haben beispielsweise Trivium und Immortal erleben dürfen. Beim nächsten Mal könnte es aber mal normales Wetter geben.“ Vor ihnen liegt nun der schwerste Tag des Jahres. Und der WFF-Countdown läuft.

Record Release des ersten RORC-Albums „Church of RORCology“ am 14. Juli ab 20.30 Uhr in der Villa Leipzig, Lessingstraße 7

© LVZ-Online, 02.07.2012, 19:07 Uhr

Metal4Leipzig.de: RORC – The Church Of RORCology (8,5/10)

Juni 4, 2012 in Presse

Endlich etwas, das die Bezeichnung „episch“ verdient.

… von Pia-Kim Schaper

RORC beweisen auf “The Church Of RORCology”, wie vielseitig sie sind. Die Jungs spielen Death Metal mit sehr viel Melodie. Bereits die ersten Töne des Openers “Throes Of A Leadership Crisis” zeigen, was von RORC zu erwarten ist: Epik! Die gut arrangierten Riffs sind auf Keyboardsound gelegt, immer wieder durchbrochen von Schlagzeugattacken. Der Bass wummert mächtig. Zeitweise darf das Keyboard auch mal in den Vordergrund rücken. Darauf kommen die Gitarrenriffs mal rockig, mal sägend, mal frickelig. Auch die weiteren acht Titel können dieses hohe Niveau halten.

Doch auch wenn das jetzt ziemlich weich gespült klingt, gehen RORC tatsächlich in die Vollen und schrauben den Härtegrad hoch. Dabei holen sie sich Inspiration aus den unterschiedlichsten Spielarten des Metals und fügen alles zu einem funktionierenden Soundgebilde zusammen. Einflüsse aus Thrash Metal und Pagan Metal sind zu hören. Das Gesamtkunstwerk ist am ehesten noch mit STORMLORDs “Mare Nostrum” vergleichbar, allerdings mit todesbleiernem Gesang.

In “Rise Of Epic” steigt der Rock’n’Roll-Anteil merklich an, die Gitarren werden atmosphärischer. Sänger Arvid Loki growlt und flüstert, hinzu kommt Klargesang im Hintergrund. Insgesamt wird der Gesang auf “The Church Of RORCology” zurückhaltend eingesetzt und den Instrumenten somit viel Platz eingeräumt. Dass sie auch anders können, zeigen RORC mit “Pray (We Don’t Take You Alive)”, das sie langsam und ruhig einleiten, um dann rhythmisch loszulegen. Auf einem ähnlichen Level bewegt sich “In Confusion”, in dem etwas mehr Klargesang eingesetzt wird. RORC beschließen ihr Album mit dem zehn-minütigen Epos “Astraia”, in dem sie nochmals die Merkmale ihrer Songs verbinden.

Aufgenommen wurde “The Church Of RORCology” bei Andy Schmidt von DISILLUSION. Entsprechend hoch ist die Qualität der Aufnahmen. Die Produktion braucht sich hinter großen Bands nicht zu verstecken. In “Astraia” bekommen RORC Unterstützung von Gastsängerin Sissy. Der tiefe, weibliche Gesang ergänzt die Musik um ein weiteres, passendes Element.

Die Leipziger legen hier eine starke Scheibe vor, die mit einer Spielzeit von einer knappen Stunde gut was zu bieten hat. Langweilig wird es auf “The Church Of RORCology” dank der vielen Abwechslung nicht. RORC schaffen es, die vielen Einflüsse zusammenzufügen, ohne dabei unaufgeräumt zu klingen. Schwächen zeigen sich eigens im etwas unsicher und zerbrechlich wirkenden Klargesang. Hier sollte jeder ein Element finden, dass ihm gefällt. Einfach mal reinhören!

8,5/10 Punkten

 

RORC: “Wir sind keine Segel-Anhänger des Royal Ocean Racing Club.”

Mai 3, 2012 in Presse

METAL4LEIPZIG: Stellt euch bitte kurz vor!

Wir sind RORC, sechs junge Männer aus Sachsen auf der Mission nach Walhalla. Die Band existiert seit 2007 und ist stilistisch am ehesten als Alternative/Epic Metal einzuordnen.

METAL4LEIPZIG: Was hat euch dazu gebracht, gemeinsam Musik zu machen?

Es war die Begeisterung für härtere Musik, die Begeisterung für die Metal-Szene und letztendlich der Einfluss einer Flasche Doppelkorn, die den beiden Gründern Morderisk Kjetter und øm Slakter eines Nachts den Anschub gab, ohne jegliche Instrumentenkenntnisse die Black Metal Band REINCARNATION OF ROTTEN CHRIST zu gründen. Innerhalb einer Nacht waren die Aufnahmen im Sack. Wir müssen verrückt gewesen sein. Die Nachbarn dachten wahrscheinlich, wir eröffnen einen Schlachthof. Inzwischen wissen wir mit unseren Instrumenten umzugehen, doch der Antrieb bleibt der gleiche: Spaß an der Musik und das Verlangen nach neuen Herausforderungen.

METAL4LEIPZIG: Was macht eure Musik aus?

Wir sind erfrischend und banal zugleich – der Ausbruch aus eingebrannten Konventionen. Das (Metall-)Rad können wir nicht neu erfinden, aber wir wollen der Zuhörerschaft etwas Neues, etwas Innovatives bieten. Wir wollen Grenzen überwinden, aber nicht auf Kosten der Eingängigkeit. Soll heißen: Bei uns trifft Melo-Death auf fiese Schwarzmetallmonster, zerstörerische Breakdowns stehen in Einklang mit epischen Power-Refrains und auf bluesige Intermezzi folgen energiegeladene Abgehparts. Trotzdem bleiben die Songs schlüssig, eine einzigartige Atmosphäre durchzieht die Songs.

METAL4LEIPZIG: Welche Bedeutung hat euer Bandname?

Der erste Blick bei Google täuscht – wir sind keine Segel-Anhänger des Royal Ocean Racing Club sondern gemäß dem Bandnamen aus alten Tagen nett ausgedrückt Verfechter des Atheismus, wenn man von nordischen Gottheiten wie Heimdall absieht.

METAL4LEIPZIG: Wie sieht euer musikalischer Hintergrund aus?

Schwierig, hier pauschale Aussagen zu treffen. Bei sechs Bandmitgliedern ist alles von CANNIBAL CORPSE bis THE PRODIGY dabei. Müssten wir uns auf Bands festlegen, die den größten Einfluss auf „Church of RORCology“ hatten, könnte man vielleicht folgende Namen einwerfen: AMON AMARTH, BEHEMOTH, DARK TRANQUILLITY, DER WEG EINER FREIHEIT, IN FLAMES, GHOST BRIGADE, PRIMORDIAL. Wir sind alle Anhänger der Metal-Szene, hören aber unabhängig vom Genre alles, was Spaß macht.

METAL4LEIPZIG: Was habt ihr für dieses Jahr noch geplant?

Nach dem Release unseres ersten Studioalbums „Church Of RORCology“ im Juli wollen wir auf jeden Fall auf Tour gehen und neue Menschen und Orte kennenlernen.

METAL4LEIPZIG: Wie sehen eure Wunschvorstellungen für die Zukunft aus?

Spaß am Leben haben, neue Orte erkunden. Die Welt mit epischem RORC ‘n‘ Roll bekehren. Irgendwann mal auf dem WITH FULL FORCE spielen, dann haben viele von uns bestimmt ein (vorläufiges) Lebensziel erreicht.

METAL4LEIPZIG: Lieblingsplätze in Leipzig und Umgebung?

Die unzähligen Konzert-Locations in der Stadt, Kneipen und Clubs in der Südvorstadt, die Strände der umliegenden Seen und die vielen grünen Flecken. Da könnte man jetzt einiges aufführen.

METAL4LEIPZIG: Was mögt ihr noch besonders an Leipzig?

Leipzig ist eine wunderbare Stadt voller Atmosphäre und Freigeist. Wer hier einmal Wurzeln geschlagen hat, kann kaum noch loslassen. Wir sind gefangen von der kulturellen Dynamik und der Energie in dieser Stadt. Es geht nicht so hektisch zu wie etwa in Berlin und doch pulsiert hier das Leben. Die Freie Musikszene in Leipzig ist einzigartig, es finden täglich Konzerte in unzähligen Clubs statt.

METAL4LEIPZIG: Ihr nehmt im Moment euer erstes Studioalbum auf – was erwartet uns da?

Es erwartet euch etwas Einzigartiges, eine 60-minütige Reise voller Abwechslung durch die Gefilde des Metals. In jedem Song haben wir uns neu erfunden, beispielsweise im sphärischen „In Confusion“, das an Bands wie GHOST BRIGADE oder SWALLOW THE SUN erinnert. Der Nackenbrecher „Throes Of A Leadership Crisis“ erinnert dagegen eher an alte Black-Metal-Legenden. In der Über-Hymne „Astraia“ erhalten wir Unterstützung von unserer großartigen Gastsängerin Sissy – um nur einige Beispiele für die Vielfalt des Albums zu nennen.

METAL4LEIPZIG: Während der Aufnahmen arbeitet ihr zusammen mit Andy Schmidt von DISILLUSION. Wie funktioniert eure Zusammenarbeit?

Andy ist ein äußerst charismatischer Produzent, dessen kreatives Genie seinesgleichen sucht. Die Arbeit mit ihm war stets unverkrampft und locker, zu jedem Zeitpunkt aber hochprofessionell. Wir hatten für die Aufnahme nur begrenzt Zeit – Andys Produktivität hat uns jedoch beeindruckt, fast schon verängstigt. Zusammen mit uns hat er aus dem Nichts ein musikalisches Monster erschaffen.

METAL4LEIPZIG: Dürfen wir uns auf eine große Releaseparty freuen?

Aber ja doch! Am 14. Juli startet der Abriss in der Villa Leipzig. Wir freuen uns auf eine fette Sause mit unseren hammermäßigen Fans. Auch Gastmusiker werden am Start sein.

METAL4LEIPZIG: Ihr seid aus Reincarnation of Rotten Christ entstanden. Hängt euch dieser Schatten noch nach?

Nicht wirklich. Die Marke RORC hat sich etabliert und steht für epische, energiegeladene Musik aus Leipzig. Seit 2007 haben wir uns enorm weiterentwickelt.

METAL4LEIPZIG: Was treibt ihr so außerhalb der Musik?

Alle von uns studieren zurzeit, es ist alles dabei von Archäologie über Wirtschaftswissenschaften, Politik, soziale Arbeit und Griechisch bis hin zum Bauingenieurwesen. Unsere Wirkungsstätten verteilen sich über ganz Mitteldeutschland – Leipzig, Halle, Görlitz, Berlin. Wir gehen alle gern auf Konzerte und sind zusammen öfters in den Kneipen der Südvorstadt anzutreffen. Auch außerhalb der Band sind wir gute Freunde.

METAL4LEIPZIG: Die letzten Worte gehören euch!

Wir möchten unser großartigen Fanbase danken, die uns bis hierhin wirklich phänomenal unterstützt hat und können nur jedem empfehlen, sich auf Platte oder live von unserer Schaffenskraft zu überzeugen. RORC loves you!

Moderner Metal trifft auf packende Melodien: RORC im Interview

April 12, 2012 in Presse

Es war 2007 und aus heutiger Sicht waren wir anscheinend unausgelastet oder einfach nur infiziert vom Metal-Virus.

… von Daniel Thalheim

Eins steht fest: Nach einem Yacht-Club benannte sich die Leipziger Metal-Band nicht. Ihr neues Album „Church of RORCology“ erscheint Juli 2012. Einen Vorgeschmack gab es im April in der Leipziger Kneipe „Four Rooms“. RORC-Gitarrist Tilman Scheinpflug stand der L-IZ für ein Interview zur Verfügung.

Bei der Google-Suche fand ich einen Hinweis – „Royal Ocean Racing Club“ – Was bedeutet eurer Bandname wirklich?

Vor kurzem bekam ich einen Anruf von bayrischen Segelfreunden, die wollten mir doch glatt eine Jolle abkaufen. Meine Nummer hatten sie vom Impressum unserer Homepage. Gerne hätte ich ihnen etwas verkauft, allerdings versteht die Band so viel von Wassersport wie der Papst von Verhütung. Im Ernst: Hinter dem Kürzel RORC verbirgt sich unser ehemaliger Bandname aus alten Tagen, mit dem wir uns heute nicht mehr identifizieren können. Wir entschieden uns daher, nur den Namen RORC als Marke weiterzuführen.

Wann ging es bei euch los?

Es war 2007 und aus heutiger Sicht waren wir anscheinend unausgelastet oder einfach nur infiziert vom Metal-Virus. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich Slakter und ich unter dem Einfluss einer Flasche Doppelkorn zusammenfanden, um die Black Metal-Band „Reincarnation Of Rotten Christ“ zu gründen – ohne jemals eine Gitarre oder einen Bass in der Hand gehalten zu haben. Es war ein Selbstläufer: Innerhalb einer Nacht waren die Aufnahmen im Sack und auf die kurzerhand erstellte Myspace-Seite hochgeladen. Der Rest entwickelte sich von alleine.

Ihr gebt euch norwegische Künstlernamen wie Heimdall – was hat es damit auf sich?

Unsere fehlenden Instrumentenkenntnisse mussten wir 2007 ja irgendwie kompensieren, also versuchten wir unter dem Deckmantel des bösen Schwarzmetall-Images von unserer Unfähigkeit abzulenken, seriöse Musik zu machen. Es mussten Künstlernamen her. Im Online-Wörterbuch suchten wir nach bedrohlich klingenden Wörtern. Wir entschieden uns bewusst für die norwegische Sprache, da Bands wie Mayhem oder Gorgoroth aus Norwegen, der Wiege des Black Metal, stammen. Morderisk Kjetter steht beispielsweise für „Mörderischer Ketzer“, Heimdall überwacht die Brücke Bifrost von Midgard nach Asgard. Episch!

RORC feiern nach längerer Bühnenpause ihr Comeback.

RORC feiern nach längerer Bühnenpause ihr Comeback.

Ihr seid gerade im Studio – wo, bei wem und wie lange nehmt ihr auf?

Wir freuen uns, bei Andy Schmidt im Kick The Flame Studio aufzunehmen. Mit ihm haben wir unseren Wunschproduzenten gefunden. In Kürze beginnen die Schlagzeugaufnahmen, bis Ende April wollen wir dann mit dem Album durch sein. Wir sind gespannt auf die kommende Zeit!

… und dennoch findet ihr Zeit am 12. April im Four Rooms aufzutreten… kommen weitere Auftritte?

Es war Zeit für ein Lebenszeichen. Wir wollten herausfinden, ob die Songs live funktionieren und erhoffen uns aktives Feedback. Außerdem möchten wir unseren Fans wieder etwas bieten. Die vergangene Zeit im Proberaum war sehr produktiv, doch nun sind wir ausgehungert und gierig auf die Bühne. Wir freuen uns auf einen epischen Abend zusammen mit Portrait Of A Fall aus dem Erzgebirge sowie Hallucination und Priming Pressure aus Leipzig. Im Mai steht ein Auftritt in der Sächsischen Schweiz beim Wonnemond Festival an, für den Juli ist unsere Record Release Show in der Villa geplant. In der zweiten Jahreshälfte werden wir dann mit dem neuen Album im Gepäck einige Gänge hochschalten. Wir sind an einigen interessanten Sachen dran.

Machen die Aufnahmen Spaß?

Noch haben die Aufnahmen nicht begonnen, die Arbeit im Proberaum ist aber sehr produktiv und erfüllend. Wir freuen uns auf eine spannende Zeit, die wir auf Video dokumentieren und der Öffentlichkeit laufend präsentieren wollen.

Seid ihr mit kompletten Songs ins Studio gegangen, oder feilt ihr noch bei den Aufnahmen an den Songs?

Die Songs stehen soweit. Wir haben sehr genaue Vorstellungen von dem, was wir aufnehmen wollen. Aus diesem Grund werden wir auch einen Großteil des Albums am 12. April live präsentieren. Der Rest ergibt sich im Studio, wir vertrauen da ganz den Kompetenzen von Andy.

Das neue Album "Church of RORCology" soll im Juli erscheienen.

Das neue Album „Church of RORCology“ soll im Juli erscheienen.

Wann erscheint eure Langrille?

Wir peilen die Veröffentlichung für den Sommer an. Wenn alles klappt, ist das Album ab Juli erhältlich.

Worum geht’s euch inhaltlich bei „Church of RORCology“?

Musikalisch besinnen wir uns auf das, wofür RORC steht: Moderner Metal trifft auf packende Melodien, frei von Konventionen und Genregrenzen. In unseren Liedern spiegelt sich die gesamte Entwicklung der letzten 5 Jahre wieder. Von der brachialen Death Metal Dampfwalze über knackige Melo-Death Riffs, epische Power-Refrains, finstere Schwarzmetallmonster und energiegeladene Abgehparts bis hin zu stumpfen Breakdowns ist für die ganze Familie was dabei. Auch eine Gastsängerin haben wir an Bord.

Man möchte „Church of RORCology“ nicht als Konzeptalbum bezeichnen, inhaltlich zieht sich aber ein roter Faden durch die Songs. So thront unsere Kirche wie ein schwarzes Monument über allen Hoffnungen, inmitten einem vernichtenden Chaos. Auch wenn es stumpf klingt, aber Wörter wie Krieg, Tod, Zerstörung und ewige Dunkelheit beschreiben den Inhalt unserer Lieder nun mal am besten. Wir lieben das Weltuntergangsthema und das spielen wir auch aus.

Was erhofft ihr euch nach der Veröffentlichung eurer Scheibe?

Wir hoffen, möglichst viele Leute mit unserer Musik zu erreichen und zu begeistern. Daher wollen wir zu gegebener Zeit mit dem Album auf Tour gehen und viele neue Live-Erfahrungen sammeln. Natürlich hofft man auf positive Resonanzen. Wir haben jedoch keine utopischen Erwartungen – wir sind nicht auf materiellen Gewinn aus, sondern wollen in Erfahrungen und unvergessliche Momente investieren, wie man sie nur gemeinsam mit seinen Fans auf der Bühne erlebt. Wir wollen Spaß haben; einen Ausgleich zu unseren Jobs und Studienaktivitäten finden. Das Rad können wir nicht neu erfinden, aber wir können uns auf unsere Stärken besinnen. Man muss seinen Fans etwas bieten. Deshalb werden wir nie schlaffe Routine-Gigs oder unmotivierte Mucken spielen, wie ich es teilweise bei anderen Bands erlebe – zumindest darf man sich dann nicht über leere Konzertsäle wundern. Es ist in Leipzig nicht einfach, die einschlägigen Konzerthallen zu füllen, aber es ist möglich. Wir arbeiten daher kontinuierlich an unserer Live-Präsenz weiter und können nur jeden zu einem unserer Konzerte einladen, um sich von unserer Schaffenskraft zu überzeugen.

Brute Night am 12. April im Four Rooms. Los geht‘ 20:30 Uhr, Eintritt 5 Euro.

Sauna und Finsternis in der „Sonne“

Juni 7, 2010 in Presse

Der mit Arbeitsschuhen besohlte, schwarz gekleidete 19-Jährige zündete mit seinen gleichaltrigen Bandkollegen ein wahres Klanggewitter in der derben Gangart Metal ab.

… von Alexander Bley (Fotos in der Galerie)

Schkeuditz. Vornehmlich melodisch düster ging es Sonnabendnacht im Kulturhaus Sonne zu. Beim dritten Schkeuditzer Bandwettbewerb eiferten fünf Bands um eine Studio-Produktion und einen Auftritt als Vorband der Firebirds zur Schkeuditzer Rocknacht. Illusive Circus machte letztendlich das Rennen.

Die Finsternis in der „Sonne“ versprach Arvid Loki mit grunzender Stimme vor seinem Auftritt. Der mit Arbeitsschuhen besohlte, schwarz gekleidete 19-Jährige zündete mit seinen gleichaltrigen Bandkollegen daraufhin ein wahres Klanggewitter in der derben Gangart Metal ab. Der Sänger mit der tiefen Stimme heißt bürgerlich Max Degen. In der Loki-Rolle darf’s dann auch ein bisschen weiße Schminke und ein roter Schlips sein. Während der Binder auch den heftigsten Bewegungen seines Trägers standhielt, verabschiedete sich die Schminke schon nach dem ersten Song. Denn die Sonne schien tatsächlich in der „Sonne“, in Form von wärmespendenden Scheinwerfern. So verwandelte sich das Kulturhaus in eine fröhlich beschwipste Sauna.

30 Minuten ging jede Band auf die Planken, um sich der dreiköpfigen Jury zu stellen. Künstleragent Edgar Lahrius-Bergmann, Moderator Norbert Zschörnig und Oberbürgermeister Jörg Enke bewerteten an diesem langen Abend die Auftritte der Nachwuchsbands. Bei der dritten Auflage war nicht einmal ein Vorausscheid nötig, da sich lediglich fünf Bands beworben hatten. „Wir hätten auch reinfallen können“, gestand Kulturhauschef Volker Mönnig, „aber die Qualität der Bands war sehr hoch.“
Ins Rennen gingen neben Arvid Lokis Truppe RORC, Illusive Circus, Kopfgeld, Pub ’n’ Steel und die Ekla-Tanten. Der mit musikalischen Illusionen spielende Zirkus aus Radebeul machte das Rennen. Ihr Appell nach dem Auftritt wurde erhört. Da bat Sänger Dominique Brinke händeringend um Auftritte und eine Möglichkeit, eine CD aufzunehmen.

Die Sieger haben sich der melodischen Rock-Musik á la Dream-Theatre verschrieben. Also jener Musik, die einer Rock-Oper gleicht. „Die hohe musikalische Qualität war erstaunlich“, bescheinigte Lahrius-Bergmann, „und das bei einem Durchschnittsalter von 22 Jahren. Dem schlossen sich Manuel Weiße von den Ekla-Tanten und Sebastian Hoppe von RORC an. Die beste Bühnenshow boten neben den düsteren RORC-Kerlen die Tanten aus Wiedemar, die kurzerhand alle Anwesenden zum Wellemachenlassen nach oben holten. Aber auch Pub ’n’ Steel und Kopfgeld bescheinigte die Jury ein sehr gutes Niveau. Vier Bands wurden mit einem 150-Euro-Musikladen-Gutschein getröstet. Zudem versprach Enke der noch namenlosen Vorband aus der Lessing-Mittelschule diese mit seinem Keyboard zu unterstützen.

© LVZ-Online, 07.06.2010, 19:17 Uhr