soundcheck L.E.: Das erste Album der Leipziger Epic-Metaler RORC ist gleich ein ganz großer Wurf

November 9, 2012 in Presse

Es ist eine Situation, wie sie der eine oder andere Rezipient dieser Zeilen selbst schon erlebt haben mag: Man inhaliert des Abends diverse Getränke, die Augen sind langst trübe‚ der Geist aufgeweicht – und in diesem Moment scheint nichts näher zu liegen, als eine Band zu gründen. Während die meisten potenziellen Rockstars am nächsten Morgen schweren Kopfes den Schwanz einziehen, haben RORC allerdings an ihrer promillegeschwängerten Idee festgehalten. „Wir haben Reincarnation of Rotten Christ gegründet, ohne jemals ein Instrument gepsielt zu haben. Wir wollten einfach nur Black Metal machen“, gibt Gitarrist Tilman „Kjetter“ Scheinpflug lachend den Gründungsmythos seiner verhinderten Blaukreuzler preis.

Was dem einen oder anderen an dieser Stelle vielleicht Hoffnung gibt: Aus der Schnapsidee jener Nacht im Jahr 2007 – bei der eine Flasche Doppelkorn als Geburtshelfer fingierte – ist fünf Jahre später tatsächlich eine zwölfhändige Band erwachsen. Und das Beste ist: Die sechs Anfang-20er, mittlerweile allesamt Studenten, beherrschen auch noch Instrumente. Mit „The Church Of RORCology“ liegt nun ein von Szene-Schwergewicht Andy Schmidt im Kick The Flame Studio (heute: Echolux) in Leipzig produziertes Debüt vor, das den Etablierten wie ein voluminöser Einlauf vorkommen muss. Denn RORC vereinen Etliches, was den gemeinen Pommesgabler erfreut, die Halswirbel eine satte Polka tanzen lässt – und in dieser Qualität kaum zu erwarten gewesen ist.

Vom eigentlichen Black-Metal-Plan hat sich das düstere Sextett dabei längst verabschiedet. Stattdessen kreieren RORC einen Epic Metal, der zwischen skandinavischen Death-Einschiägen à Ia Amon Amarth oder Enslaved und Thüringer Veganer-Charme der Marke HSB oszilliert – ohne allerdings abzukupfern. Das alles ist sehr melodiebetont, wird nahezu verschwenderisch von Keyboards getragen – und findet seinen Kontra-Part in den gutturalen Lauten von Sänger Arvid Loki. Bereits der Opener „Throes Of A Leadership Crisis“ weist den Weg: Gut arrangierte Riffs treffen auf einen wallenden Soundteppich. In „Astraia“ bekommen RORC dann Unterstützung von Gastsängerin Sissy, die mit ihrer tiefen Stimme der Band eine weitere düstere Facette gibt. So geht atmosphärischer Metal der todesbleiernen Liga – ein sensationell gutes Debüt, das Appetit auf noch viel mehr macht.

Andreas Debski für soundcheck L.E.

Metal4Leipzig.de: RORC – The Church Of RORCology (8,5/10)

Juni 4, 2012 in Presse

Endlich etwas, das die Bezeichnung „episch“ verdient.

… von Pia-Kim Schaper

RORC beweisen auf “The Church Of RORCology”, wie vielseitig sie sind. Die Jungs spielen Death Metal mit sehr viel Melodie. Bereits die ersten Töne des Openers “Throes Of A Leadership Crisis” zeigen, was von RORC zu erwarten ist: Epik! Die gut arrangierten Riffs sind auf Keyboardsound gelegt, immer wieder durchbrochen von Schlagzeugattacken. Der Bass wummert mächtig. Zeitweise darf das Keyboard auch mal in den Vordergrund rücken. Darauf kommen die Gitarrenriffs mal rockig, mal sägend, mal frickelig. Auch die weiteren acht Titel können dieses hohe Niveau halten.

Doch auch wenn das jetzt ziemlich weich gespült klingt, gehen RORC tatsächlich in die Vollen und schrauben den Härtegrad hoch. Dabei holen sie sich Inspiration aus den unterschiedlichsten Spielarten des Metals und fügen alles zu einem funktionierenden Soundgebilde zusammen. Einflüsse aus Thrash Metal und Pagan Metal sind zu hören. Das Gesamtkunstwerk ist am ehesten noch mit STORMLORDs “Mare Nostrum” vergleichbar, allerdings mit todesbleiernem Gesang.

In “Rise Of Epic” steigt der Rock’n’Roll-Anteil merklich an, die Gitarren werden atmosphärischer. Sänger Arvid Loki growlt und flüstert, hinzu kommt Klargesang im Hintergrund. Insgesamt wird der Gesang auf “The Church Of RORCology” zurückhaltend eingesetzt und den Instrumenten somit viel Platz eingeräumt. Dass sie auch anders können, zeigen RORC mit “Pray (We Don’t Take You Alive)”, das sie langsam und ruhig einleiten, um dann rhythmisch loszulegen. Auf einem ähnlichen Level bewegt sich “In Confusion”, in dem etwas mehr Klargesang eingesetzt wird. RORC beschließen ihr Album mit dem zehn-minütigen Epos “Astraia”, in dem sie nochmals die Merkmale ihrer Songs verbinden.

Aufgenommen wurde “The Church Of RORCology” bei Andy Schmidt von DISILLUSION. Entsprechend hoch ist die Qualität der Aufnahmen. Die Produktion braucht sich hinter großen Bands nicht zu verstecken. In “Astraia” bekommen RORC Unterstützung von Gastsängerin Sissy. Der tiefe, weibliche Gesang ergänzt die Musik um ein weiteres, passendes Element.

Die Leipziger legen hier eine starke Scheibe vor, die mit einer Spielzeit von einer knappen Stunde gut was zu bieten hat. Langweilig wird es auf “The Church Of RORCology” dank der vielen Abwechslung nicht. RORC schaffen es, die vielen Einflüsse zusammenzufügen, ohne dabei unaufgeräumt zu klingen. Schwächen zeigen sich eigens im etwas unsicher und zerbrechlich wirkenden Klargesang. Hier sollte jeder ein Element finden, dass ihm gefällt. Einfach mal reinhören!

8,5/10 Punkten